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Auch mehr als 500 Jahre nach seinem Wirken ist er ein Vermittler

31 Jul ’17 - 10:26

von Lara Enggist

Schüler aus Sachseln brachten Solothurner Kindern Niklaus von Flüe näher, besser bekannt als Bruder Klaus. Der Obwaldner lebte von 1417 bis 1487.

«Er ist gross und barfuss», beschrieb eine Solothurner Schülerin den hageren Mann auf dem Bild. Ein anderer Schüler empfand seine Erscheinung schlicht als «beruhigend». Im Museum «Altes Zeughaus» in Solothurn drehte sich gestern alles um die spirituell, historisch und gesellschaftlich wichtige Persönlichkeit Niklaus von Flüe, besser bekannt als «Bruder Klaus».

Im Rahmen des Projektes «Jugend erklärt Niklaus von Flüe» reiste am Morgen eine ganze Klasse aus Sachseln OW nach Solothurn, um den Einsiedler fünf Klassen aus Biberist und Zuchwil näher zu bringen. Zu Beginn sei eigentlich «nur» ein Schulbesuch der Klasse aus Sachseln geplant gewesen, doch Martin Brändli vom Solothurner Volksschulamt wollte den Besuchern eine angemessene Plattform bieten.

Gilt noch heute als Vorbild

Auch Landammann Franz Enderli war angereist und erklärte in urchigem Obwaldnerdialekt: «Bruder Klaus ist ein fester Bestandteil von Obwalden, viele fühlen sich ihm nach wie vor verbunden». Ihm sei wichtig, dass ein authentisches Bild des Heiligen vermittelt werde. Über 100 Klassen werden die Schüler aus Obwalden dieses Jahr besuchen. «Ich bin aber nicht bei jedem Besuch dabei», fügt Enderli schmunzelnd hinzu. Der Besuch in Solothurn sei ihm besonders wichtig, denn durch Niklaus von Flüh seien die Kantone Solothurn und Obwalden eng miteinander verbunden.

In der Solothurner Geschichte spielt der Einsiedler eine nicht ganz unwichtige Rolle. In seiner Begrüssungsrede betonte Landammann Remo Ankli feierlich: «Dass der Kanton Solothurn heute zur Eidgenossenschaft gehört, ist nicht zuletzt dem Vermittler Niklaus von Flüe zu verdanken».

Die Suche nach wahren Werten

Doch wer war nun dieser Niklaus von Flüe? Anhand von Tafeln und Bildern erzählten die Schüler von einem erfolgreichen, aber von inneren Konflikten getriebenen Grossbauern, Richter und Familienvater. Anschaulich berichteten die Schüler von seinem Entscheid, sich von seiner Familie abzuwenden und als Einsiedler «in der Wildnis» zu leben – bescheiden und immer auf der Suche nach den wahren Werten. Die Kinder unterstrichen das Gesagte mit kleinen Theaterstücken und stellten stets eine Verbindung zur heutigen Zeit dar. Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Barmherzigkeit waren Werte, die den Heiligen aus Sachseln ausmachten.

Bei einem Dominospiel konnten die Schüler aus Solothurn Texte über Bruder Klaus mit den passenden Bildern verbinden und ihr Wissen über sein Leben prüfen. Sogar einen aufwendig gestalteten Film über das Leben und die Heimat von Bruder Klaus hatten die Kinder aus Sachseln gedreht. Die Schüler aus Solothurn konnten so in seine Welt eintauchen und sich von der ungewöhnlichen Lebensgeschichte des Heiligen fesseln lassen.
Rüstungen und Geschütze

Während sich eine Gruppe Niklaus von Flüe widmete, nahm Claudia Moritzi vom Museum «Altes Zeughaus» die andere Gruppe auf einen Rundgang durch das Museumsgebäude mit. Unter Gelächter wurden schwere Rüstungen anprobiert, während andere die umfassende Waffensammlung und Beutestücke aus den Burgunderkriegen bestaunten.

Der Einsiedler Niklaus von Flüe wird nicht zuletzt für sein Wirken als Vermittler geehrt. Auch heute noch ist diese verbindende Ausstrahlung, die er auf die Menschen hatte, deutlich zu spüren. Bestes Beispiel dafür ist diese Zusammenkunft von Menschen zweier Kantone, die mehr als 500 Jahre nach seinem Wirken und nur dank ihm stattfinden konnte.

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