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Digitale Aufgabensammlung soll bei der Umsetzung des neuen Lehrplans helfen

26 Aug ’18 - 17:15

von Urs Moser — az Solothurner Zeitung, 19. Juni 2018

Die neue Aufgabensammlung «Mindsteps» soll Lehrern wie Schülern bei der Umsetzung des kompetenzorientierten Lehrplans helfen.


«Zähle von 120 aus in vier gleich grossen Schritten auf 400.» Das ist eine der Aufgaben aus der neuen Aufgabensammlung Mindsteps, an der sich Primarschüler die Zähne ausbeissen oder die sie mit Leichtigkeit lösen können – je nachdem. Die Sammlung enthält insgesamt 25’000 Aufgaben aus den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik für die dritte Klasse der Primarschule bis zur dritten Klasse der Sekundarstufe.


Die Schüler können damit individuell üben und ihrem Lernstand entsprechend Aufgabenserien zu verschiedenen Themen lösen. Die Lehrkräfte können aber auch aus einem separaten Pool für ihre Klasse oder einzelne Schüler Aufgabenserien zusammenstellen, um den Leistungsstand zu überprüfen. «Lernen sichtbar machen mit Mindsteps» heisst die Devise des Projekts.

Und zwar über die eigene Klasse und über die Kantonsgrenzen hinaus. Die Aufgabensammlung, in die sich die Schüler via Internet mit einem Passwort einloggen, wurde vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich im Auftrag des Bildungsraums Nordwestschweiz entwickelt. An der Entwicklung beteiligt waren auch die pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz sowie Lehrkräfte aus den vier Bildungsraumkantonen Aargau, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
Die gemeinsame Aufgabensammlung ist für den Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli, derzeit Vorsitzender des vierkantonalen Regierungsausschusses, damit auch der beste Beweis, «dass der Bildungsraum lebt».

Zwei Seiten einer Medaille

Den Lehrkräften wird nicht verbindlich vorgegeben, wie sie die Arbeit mit Mindsteps in den Unterricht integrieren. Dass die Aufgabensammlung rege genutzt wird, ergibt sich für Ankli schon dadurch, dass die Aufgabensammlung und die vorgeschriebenen (und allerdings nicht unbestrittenen) Checks in den dritten und sechsten Klassen der Primarschule sowie im zweiten und dritten Oberstufenjahr «zwei Seiten der gleichen Medaille» seien.
Und den Schülern der altersgemischten vierten bis sechsten Klasse der Primarschule Effingen war bei der Vorstellung am Montag in Olten auch anzusehen, dass ihnen das Üben und Lernen mit Mindsteps Spass macht. Voraussetzung für einen flächendeckenden Einsatz ist natürlich, dass die Schulträger der Volksschule, also die Gemeinden, die Schulen auch mit ausreichend Laptops oder Tablets ausstatten.
Überzeugt von dem Instrument, das (kostenpflichtig) ab sofort auch von Schulen ausserhalb des Bildungsraums Nordwestschweiz genutzt werden kann, ist auch der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Mindsteps mache die vom neuen Lehrplan geforderten Kompetenzen durch konkrete Aufgaben sicht- und umsetzbar. Die wichtigsten Fragen des Lernens, «Was können meine Schüler?» und «Was sind die nächsten Lernschritte», könnten damit beantwortet werden.
Dadurch werde auch die Wirksamkeit des Unterrichts aufgezeigt. Und der Unterricht und das Unterrichten – und damit die Arbeit der Lehrkräfte – bleibe nach wie vor die zentrale Ebene der Qualitätssicherung in den Schulen, betont Sabina Larcher, Direktorin der padagogischen Hochschule Nordwestschweiz.
Der neue Lehrplan mit der Kompetenzorientierung verschiebe aber die Akzente vom Dozieren zum Lernen, so Larcher. Das stelle auch neue Anforderungen an die Lehrkräfte, das Lernen und die systematische Beobachtung und Einschätzung von der Lernprozesse und -ergebnisse würden viel stärker in den Mittelpunkt der schulischen Aktivitäten rücken. Ein Instrument wie die Aufgabensammlung Mindsteps unterstütze die Lehrkräfte dabei, dass dies gelingt.

Hilfe für Unterrichtsplanung

Es sei immer etwas schwierig, bei derart komplexen Themen die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten in der Praxis glaubhaft zu schildern, meinte die basellandschaftliche Bildungsdirektorin Monica Gschwind am Montag in Olten. Sie habe Mindsteps aber selber ausprobiert und sei zu dieser Überzeugung gekommen: Dass sich die Aufgabensammlung in der Praxis bewähren wird. Die Lehrpersonen würden damit ein Instrument erhalten, mit dem sie «unmittelbar, rasch und unkompliziert» Resultate zum Leistungsstand ihrer Klasse erhalten. Und wer zum Beispiel Bruchrechnen auf eine neue Art und Weise in den Unterricht integrieren möchte, könne mithilfe von Mindsteps erkennen, ob die Methode für seine Klasse funktioniert.
Hier sieht auch ihr baselstädtischer Amtskollege Conradin Cramer eine Stärke der Aufgabensammlung: Mit Mindsteps würden die Lehrpersonen Hinweise bekommen, wo die Schülerinnen und Schüler stehen, damit das weitere Lernen geplant werden kann.
Er nennt ein Beispiel: Eine Lehrperson übernimmt neu eine fünfte Klasse und will wissen, welche Schullektüre ihren Schülern entspricht ohne überfordernd zu sein. Mit Mindsteps wird sie Hinweise für die Wahl einer passenden Lektüre finden.

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