Der letzte Franziskaner in Solothurn» nennt sich eine Skulptur von Hans Borer, die nun feierlich wieder ins richtige (Tages)licht gerückt worden ist. Und am richtigen Platz: Im Franziskanerhof, wo früher das entsprechende Kloster stand. Stadtführerin Maya von Gunten wusste schon seit den achtziger Jahren, als der FDP-Altstadtstamm im dortigen Gewölbekeller stattfand, von der Existenz der Figur. «Für mich unerklärlich», dass sie dort unten im Keller verlocht war»Die Geschichte der Franziskaner in Solothurn ist eine lange: 1223 bestätigte Papst Honorius III den neuen Orden der Franziskaner nach der Regel des Ordensgründers Franz von Assisi. Die Franziskaner gehören zur Gruppe der Bettelorden. König Rudolf von Habsburg gab Solothurn 1280 ein neues Recht, nämlich Neubürger aufnehmen zu dürfen. So stand nichts mehr im Wege, Franziskaner in die Stadt zu holen, damit man zum mächtigen St.Ursen-Stift einen Gegenpol hatte. Am 25. Juli 1280 wurde die Solothurner Niederlassung ins Leben gerufen.

Das Kloster wird aufgehoben

Schon im 19. Jahrhundert hatte die Obrigkeit den Ordensleuten das Leben schwer gemacht. Ende 1857 beschloss der Kantonsrat, alle Wiederbelebungsversuche zum Erhalt des Franziskanerklosters zu annullieren, und er stellte das Vermögen der Barfüsser unter die Verwaltung des Staates. Aus dem Conventsgebäude sollte ein Priesterseminar werden. Dazu Regierungsrat Remo Ankli in seinem Grusswort: «Pater Franz Ludwig hielt sogar eine Predigt zu St. Ursen, in der er nicht nur den Staat und die Regierung sondern auch den Bischof schwer kritisierte. Er meinte: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.» Daher habe man «nun etwas gutzumachen», so Ankli weiter.

Damals lebten noch drei Patres im Kloster. 1858 starben Bonaventura Zweili aus Oberdorf und Hieronymus Vogelsang aus Solothurn. Übrig blieb Pater Franz Ludwig Studer, Bürger von Kestenholz. Dieser blieb noch zwei Jahre als einziger Bewohner und hielt die Stellung. Anschliessend fand er noch 15 Jahre lang bis zu seinem Tod eine Unterkunft im Pfarrhaus St. Niklaus. Beigesetzt wurde er in der Franziskanerkirche uns seine Grabplatte liegt an der nordöstlichsten Ecke im Kircheninnern.

Höhlenbewohner am Gotthard

Pater Franz Ludwig Studer hatte ein Schicksal, wie es damals sehr oft vorkam. Am 9. März 1804 wurde er in Niedergerlafingen geboren, sein Taufname war Franz Josef. Als Waisenkind hatte er das Glück, von zwei Männern protegiert zu werden: Der eine gab ihm ein Heim, der andere förderte seinen Intellekt. In seinen innigsten Bittbriefen an den Regierungsrat, das Kloster zu erhalten, wies er später stets darauf hin, dass für ihn, das ehemalige Waisenkind, das Franziskanerkloster Mutter und Vater sei.So konnte er Theologie und Philosophie studieren. 1822 wurde er in Solothurn als Franziskanermönch geweiht und erhielt den Namen Franz Ludwig. 1827 kam es dann zur Priesterweihe in Solothurn. Er bekleidete als Franziskaner keine öffentliche Lehrstelle, hatte aber viele Privatschüler, die er auf das Gymnasium vorbereitete, vor allem in der lateinischen und griechischen Sprache.

Zwischendurch war der Pater auch ein Aussteiger und bewohnte eine Höhle auf der Südseite des Gotthards. Kälte und Einsamkeit und die inständige Bitte seiner Glaubensbrüder brachten ihn wieder zurück nach Solothurn. Eine charismatische Persönlichkeit müsse er gewesen sein, meinte Maya von Gunten –– und am Lebensende sehr einsam. So einsam, wie seit etwa 50 Jahren eine Skulptur «der letzte Franziskaner» im Keller des Conventsgebäudes, der heutigen Staatsanwaltschaft, vor sich hinvegetierte. Unbeachtet, in keinem Führer erwähnt.

Pater mit Borers Gesicht

Hans Borer, der bekannte Solothurner Steinmetz (1924-2010), war so berührt vom Schicksal des letzten Franziskaners in Solothurn, dass er eine Skulptur anfertigte. Da es von Pater Franz Ludwig kein Bild gab, hatte er diesem seine eigenen Gesichtszüge gegeben. Der Grund, warum die Skulptur nicht im Hof des ehemaligen Franziskaner-Klosters aufgestellt worden ist, weiss niemand – Borer hat das Geheimnis mit in sein Grab genommen.

Deshalb wurde die «Stiftung zur Wiederherstellung solothurnischer Baudenkmäler», auch «Feser-Stiftung» genannt und vertreten durch Präsident Max Flückiger, aktiv. Sie liess die Skulptur reinigen, ausbessern und von Steinbildhauer Alois Herger auf einen Sockel setzen. Sie ist nun im Hof des ehemaligen Franziskanerklosters aufgestellt – auch für Stadtführungen ein interessantes Exponat.

Die Grüsse der Stadt überbrachte Gemeinderat Beat Käch, der auf die Bedeutung der Klöster in Solothurn für Stadt und Kanton sowie die bevorstehende Schenkung der Alten Spitalapotheke hinwies.