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Der Lehrplan 21 kommt in drei Jahren

13/10/2015 - 14:41

Lehrertag

Jetzt ist es beschlossene Sache: Der Lehrplan 21 wird im Kanton Solothurn im Schuljahr 2018/19 eingeführt. Das verkündete Bildungsdirektor Remo Ankli gestern Nachmittag den rund 1000 Lehrpersonen, die am kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag in der Stadthalle Olten teilnahmen. «Die Einführung des Lehrplans 21 wurde am Dienstag im Regierungsrat beschlossen und auch die dazugehörige Lektionentafel wurde gutgeheissen», so Ankli.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO), hatte bereits vor der Verkündung des Bildungsdirektors zur Thematik Lehrplan 21 Stellung genommen. «Leider ist es noch immer eine Tatsache, dass es mehr Kritiker gibt als Personen, die den Lehrplan 21 effektiv gelesen haben», so Rösler. «Natürlich ist es kein Zuckerschlecken, die 500 Seiten zu lesen, aber wir vom LSO sind der Meinung, dass man mit der korrigierten Version des Lehrplans 21 arbeiten kann, da viele Bedenken vonseiten der Lehrerverbände aufgenommen wurden.» Die zweite Fassung des Lehrplans sei in der Tat schlanker, übersichtlicher und leichter verständlich, wie Ankli bestätigte. «Die erste Fassung war zu lang und zu umfangreich. Daher wurde sie überarbeitet und um 20 Prozent gekürzt.»

Nicht mehr Vorgaben

Trotz der Überarbeitung des Lehrplans 21 sind noch nicht alle Details geklärt. Gerade der Kompetenzbereich «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» dürfte gemäss Dagmar Rösler noch für Diskussionen sorgen. Und die LSO-Präsidentin merkte abschliessend auch noch an, dass man sich auch nach der Überarbeitung des Lehrplans 21 noch immer fragen könne, wie die Kompetenzorientierung im Unterricht denn tatsächlich funktionieren solle.

Remo Ankli versuchte, diese Bedenken zu entschärfen, in dem er betonte, dass es für die Lehrpersonen im Rahmen des neuen Lehrplans nicht mehr Vorgaben geben werde und sich auch der aktuelle Lehrplan bereits an Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz orientiere. «80 Prozent des Lehrplans 21 sind identisch mit dem aktuellen Lehrplan. Zehn Prozent wurden in den letzten Jahren weiterentwickelt und bloss 10 Prozent sind wirklich neu», so der Bildungsdirektor. Ankli informierte die Anwesenden auch über das Umsetzungskonzept des Lehrplans 21: Ab 2016 werden spezifische Weiterbildungen angeboten und ein Jahr später werden die Studiengänge an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz auf den neuen Lehrplan ausgerichtet, ehe dann 2018 die effektive Umsetzung in Kraft treten wird.

Das Fachpersonal fehlt

Neben dem Hauptgesprächsthema «Lehrplan 21» informierte der LSO auch über weitere «Knacknüsse» im Bereich der Bildung. Unter den fünf vorgetragenen Punkten befand sich auch das Thema der speziellen Förderung. LSO-Geschäftsführer Roland Misteli sieht dabei vor allem zwei Problembereiche. «Gerade in der integrativen Schulung wären eigentlich Umschulungen des Personals nötig, doch das wurde bisher verschlafen. Daher fehlen uns heute 50 Prozent des Fachpersonals», so Misteli. «Wenn wir künftig einfach das Personal nehmen müssen, das gerade kommt, dann wird aus der speziellen Förderung ein ganz normaler Nachhilfeunterricht.»

Zudem gibt Misteli zu bedenken, dass der Leistungsstand der Schüler gerade in der Unterstufe sehr unterschiedlich sei. «Einige können bereits in der ersten Klasse perfekt lesen, andere kennen gerade mal drei Buchstaben. Wie soll man diese Kinder nun mit den Schulnoten 1 bis 6 beurteilen? Wer glaubt, die Schulnote 3 motiviere einen schwachen Primarschüler, mehr zu lernen, der glaubt wohl auch noch an den Storch», fand Misteli klare Worte und forderte, dass man so schnell wie möglich mit der Benotung ab der ersten Primarschule aufhört. Die anwesenden Lehrkräfte unterstützten diese Forderung mit spontanem Applaus.

Bildung wird immer wichtiger

Komiker Charles Nguela und Trendforscher David Bosshart vom Gottlieb- Duttweiler-Institut sorgten für das Kontrastprogramm zu den drängendsten Problemen im Bereich der Bildung. Bosshart wagte in seinem Referat einen Blick in die Zukunft und befasste sich mit der Frage, was die heutigen Schüler in der Zukunft brauchen. Als Fazit hielt er fest: «In der sich immer schneller verändernden Gesellschaft wird Bildung immer wichtiger, denn wir müssen den Mut haben, uns auch mit den grundsätzlichen Fragen auseinanderzusetzen und müssen in der Lage sein, uns immer schneller anzupassen.» Die nächste Bewährungsprobe in Sachen Anpassungsfähigkeit wird im Bildungsbereich bald kommen – spätestens 2018, wenn der Lehrplan 21 umgesetzt wird.

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