Posted in News

FDP ringt um klares Profil als Bildungspartei

25/01/2015 - 15:22

Parteitag

Die FDP des Kantons Solothurn möchte nicht nur als Wirtschafts-, sondern stärker auch wieder als Bildungspartei auftreten. An einem Parteitag an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten versuchten die Freisinnigen mit ihren beiden Regierungsräten, die just diese Schlüsseldepartemente führen, sich auch im Hinblick auf die Wahlen 2015 eindeutig zu positionieren. Trotz klarer Voten in den Eingangsreferaten zu aktuellen Herausforderungen, zeigte sich in der Diskussion, dass ein Unschärfebereich im Bildungsteil des freisinnigen Manifests bleibt.


Regierungsrätin Esther Gassler zeigte den versammelten Parteiexponenten zuerst auf, wo sich der Fachkräftemangel in der Solothurner Wirtschaft am stärksten bemerkbar macht. Elektromonteure, Elektromechaniker, Mechaniker, Polymechaniker und Pflegepersonal machen die Spitze bei den gesuchten Berufsleuten aus. Diese Lücken liessen sich weder durch die Arbeitslosen noch durch die stärkere Einbindung von Frauen beheben, allenfalls durch eine bessere Bezahlung verglichen mit Personal im administrativen Bereich. Die Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements plädierte ferner dafür, Schüler aus bildungsfernen Schichten vor dem Ende der Volksschule arbeitsmarkttauglich auszubilden, damit sie ihre Karriere nicht in der Sozialhilfe starten müssten.

 

Wie viel Schule muss sein?
Dass jedes dritte Solothurner Unternehmen mit Rekrutierungsproblemen kämpft und der demografische Wandel die Situation zunehmend verschärft, stellte Daniel Probst an den Anfang seiner Ausführungen. Der Direktor der Solothurner Handelskammer zeigte auf, wie die Wirtschaft selber der Problematik begegnet. Das Programm «SO talentiert!» versuche das Interesse an der Technik zu steigern, das Image der gewerblich-industriellen Berufe zu heben und durch geeignete Aus- und Weiterbildung die Fachkräftebasis zu erweitern. Neben der Sensibilisierung im Berufswahlprozess geht ein Ansatz auch in die Richtung, «Heimwehsolothurner» in anderen Kantonen zurückzugewinnen.
Der Kampf um den Nachwuchs sei in vollem Gang, schilderte Kantonsrätin Marianne Meister. «Oftmals ist das Prestigedenken der Eltern für die Berufswahl entscheidend», sagte die Präsidentin des kantonalen Gewerbeverbands. Sie sprach sich dafür aus, bei allen Sekundarschülern die individuellen Neigungen besser abzuklären, um dafür im Gegenzug weniger Geld ins Case Management gescheiterter Erwachsener zu investieren.
Marianne Meister kritisierte die schleichende Akademisierung und Verschulung vieler Berufe sowie die damit einhergehende Abwertung der Praxisnähe. Die Erwartungen der Berufsschule überträfen oft die praktischen Anforderungen, sagte die Gemeindepräsidentin von Messen. Die Fachhochschulen wiederum liefen Gefahr, den Praxisbezug zu verlieren. «Wir brauchen nicht kleine Unis, die Richtung Doktortitel gehen. Die Fachhochschulen brauchen Dozenten, die einen Bezug zur Wirtschaft haben», sagte Meister auf dem Oltner Campusboden. Übergeordnetes Ziel müsse die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung sein. Der Weg zur Meisterprüfung dürfe für Ausbildungswillige nicht um ein Mehrfaches teurer sein als Semestergebühren an einer Universität.

 

Manifest soll erweitert werden
Im Plenum der rund 50 Interessierten kamen die Grundsätze freisinniger Bildungspolitik, Abgrenzungen und in Gruppenarbeiten definierte Umsetzungsmassnahmen zur Diskussion. Basis dazu bildete das früher verabschiedete freisinnige Manifest, das unter der Moderation von Kantonsrätin Anita Panzer gewisse Erweiterungen erfuhr.
Unbestritten waren die Bekenntnisse zu einer leistungsorientierten Schule, einer praxisgerechten Berufsbildung, einer modernen schulischen Tagesstruktur ohne staatliche Überregulierung und zur Hauptverantwortung der Eltern in der Kindererziehung. Einen Konsens gab es auch zur Stärkung der Durchlässigkeit und der Dualität des Bildungssystems, das sich an den Bedürfnissen von Gesellschaft und Wirtschaft orientieren soll. «Eigentlich ist es paradox: Das Ausland beneidet uns um unser duales System, und wir machen es kulturell kaputt», warnte Ruedi Nützi als «Gastgeber» und Direktor der Hochschule für Wirtschaft.

 

 

Der Teufel steckt im Detail
Dem Fachkräftemangel will die FDP Solothurn mit einem stärkeren Akzent auf die Qualifizierung der inländisch tätigen Arbeitnehmer und mit der Integration von älteren Menschen und Frauen in den Arbeitsprozess begegnen.
Da der Teufel bei vielen Formulierungen im Detail steckt und der Parteitag teils um Worte rang, soll der Parteivorstand den Entwurf zuhanden einer Delegiertenversammlung bereinigen. Regierungsrat Remo Ankliund Parteipräsident Christian Scheuermeyer wünschten sich begleitend auch die Gründung einer Arbeitsgruppe Bildung. «Es wäre ein Zeichen, dass es freisinnige Bildungspolitik noch gibt», sagte der Bildungsdirektor.

 

Sek-I-Reform

Die Sek P soll kleiner werden
Im Zeichen der Masseneinwanderungsinitiative gelte es gewiss, das inländische Potenzial besser zu nutzen. Wenn definierte Selektions- und Leistungsanforderungen erfüllt seien, gelte es die Berufswahlfreiheit aber trotzdem zu wahren, meinte Remo Ankliin seinem Inputreferat. Der Vorsteher des Departements für Bildung und Sport zog mit dem Fokus auf die Berufswelt eine Bilanz zur Sek-I-Reform. Die Profilbildung und die Projektarbeit im 9. Schuljahr trügen neben dem eigentlichen Fachunterricht zu einer besseren Berufsorientierung bei. Negativ wertete der Regierungsrat die Tatsache, dass bisher statt 15 bis 20 Prozent eines Jahrgangs im Einzugsgebiet der Kantonsschulen um 25Prozent den Sek-P-Eintritt schafften, in Einzelfällen gar schon 30 bis 40 Prozent. Weil viele die Sek P ohne realistische Matura-Aussicht in Angriff nähmen, gebe es nach dem ersten Jahr am Gymnasium mehr Aussteiger und viele Wechsel an die Fachmittelschule. «Die politischen Vorgaben sind einzuhalten», sagte Ankliund nahm sich und sein Departement damit gleich selber in die Pflicht. Entsprechende Änderungen der Selektions- und Leistungskriterien in Bezug auf die Sek P seien in Gang. (JS)

Schreiben Sie einen Kommentar