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Lehrertag im Zeichen des neuen Winds

04/10/2013 - 08:36

Windräder in allen Farben schmückten die Oltner Stadthalle, wo gestern zum neunten Mal der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrertag stattfand. Eine Anspielung auf den «neuen Wind», der seit dem 1. August dieses Jahres im Solothurner Bildungswesen wehe, wie LSO-Präsidentin Dagmar Rösler verriet. Welcher Art dieser Wind ist, wusste Rösler freilich noch nicht zu sagen: «Vielleicht kommt es zu einem Sturm», sinnierte sie. «Oder wird es noch windstiller?»

Die im Massnahmenplan 2013 des Regierungsrates enthaltenen Abstriche im Bildungsbereich seien sang- und klanglos «versenkt» worden, stellte Rösler rückblickend fest. Aber «nach dem Massnahmenplan» sei «vor dem Massnahmenplan», müsse der Kanton doch satte 150 Mio. Franken sparen. Die Schule, räumte die LSO-Präsidentin ein, werde nicht darum herum kommen, ihren Sparbeitrag zu leisten, aber die Lehrerschaft verlange Opfersymmetrie. Es gehe nicht an, nur auf dem Buckel der Volksschule zu sparen.

Warnung vor Lohnsenkungen

Die Arbeitsmoral sinke, wenn sich Mitarbeitende ungerecht behandelt fühlten, machte die LSO-Präsidentin unter Verweis auf ein mit Kapuzineräffchen durchgeführtes Experiment klar. Bei diesem stellten 40 Prozent der Äffchen die Arbeit unverzüglich ein, wenn ein anderes für die gleiche Leistung mehr Belohnung erhielt. Einzelne schmissen gar ihre Belohnung, eine Gurke, gegen den Leiter des Experiments. Was Rösler damit sagen wollte: «Sollte man auf die Idee kommen, die Lehrerlöhne zu kürzen», warnte sie, «ändert die Stimmung schlagartig – denkt nur an die Äffchen!»

Anklis erster Auftritt am Lehrertag

Remo Ankli, der neue Vorsteher des Departments für Bildung und Kultur (DBK), trat gestern erstmals am Lehrertag«in der Bildungshauptstadt des Kantons» – so Oltens Stadtpräsident Martin Wey – auf. Klaus Fischers Nachfolger signalisierte grundsätzlich Konsensbereitschaft mit den Worten: «Ich bin sehr motiviert für die Zusammenarbeit mit dem LSO und den Gemeinden. Wir können voneinander lernen, wenn wir einander zuhören.» In seiner noch jungen Amtszeit, unterstrich Ankli, habe er feststellen dürfen, dass die Solothurner Lehrerschaft punkto Ausbildung, Persönlichkeit und Motivation den Anforderungen, welche die Gesellschaft an sie stelle, gewachsen sei. Der DBK-Vorsteher bestätigte weiter, dass es nun darum gehe, Geschaffenes zu konsolidieren. Eine Totalsanierung der Schule werde es in den nächsten Jahren nicht geben. Schliesslich habe der Kantonsrat dem entsprechenden Reformstopp mit grossem Mehr zugestimmt.

DBK muss 30 Mio. Franken sparen

Zu den Verbesserungen für die Lehrerschaft (wie etwa der Klassenleitungsentlastung) stehe er trotz den dunklen Wolken am Finanzhimmel, versprachAnkli. «Ich werde mich gegen Versuche, sie wieder abzuschaffen, zur Wehr setzen.» Eine Aussage, die dem Bildungsdirektor den spontanen Applaus der Versammlung eintrug. – Hierauf konnte er Klartext zum strukturellen Defizit des Kantons reden. Den Beitrag, den sein Departement an die Sanierung zu leisten habe, bezifferte er auf 30 Mio. Franken. Am «runden Tisch», wo es dann konkret werde, rief Ankli in Erinnerung, werde auch der LSO vertreten sein. Allerdings werde niemand den «runden Tisch» mit einem guten Gefühl verlassen.

LSO für Ankli jederzeit erreichbar

Nachdem sich der Bildungsdirektor für die Ausstrahlung und das Engagement der solothurnischen Lehrerschaft bedankt hatte, überreichte ihm LSO-Präsidentin Dagmar Rösler ein Handy, auf dem nach ihren Worten nur die Telefonnummer des LSO gespeichert ist. «Du kannst uns immer anrufen», schärfte sieRemo Ankli ein.

Lehrplan 21 Wird die Schule neu erfunden?

Titus Guldimann, Prorektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und gebürtiger Solothurner, steuerte zum gestrigen Lehrerinnen- und Lehrertagin Olten ein Fachreferat zur Frage bei, ob mit dem Lehrplan 21 die Schule neu erfunden wird. Das Thema sei schwierig, das Papier geduldig und die Vernehmlassung stehe noch aus, sagte Guldimann, der daher vor allem seine eigene Meinung zum Ausdruck brachte. Sein Befund, knapp gefasst: «Nein, die Schule wird nicht neu erfunden, aber die Volksschule erhält einen der Zeit und ihren Herausforderungen angepassten Auftrag der Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Referent skizzierte den Weg von den stofforientierten Lehrplänen um 1980 über die zielorientierten Lehrpläne der 90er-Jahre mit Richtzielen und Grobzielen hin zu den nun angesagten kompetenzorientierten Lehrplänen. Diese seien – nicht zuletzt aufgrund der ernüchternden Ergebnisse der ersten Pisa-Studie von 2001 – mit einem Paradigmenwechsel von der Input- zur Output-Orientierung verbunden. Bislang sei in der Schweiz eher in den Input und die Infrastruktur investiert worden; den Output – «die sichtbare Leistung, die hinten herauskommt», habe man ein wenig aus den Augen verloren. An sich, so Guldimann, sei die Ziel- schon nahe an der Kompetenzorientierung gewesen. «Es besteht daher die Gefahr, dass wir nur die Wörter austauschen und uns durchwursteln.» (uw)